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Arequipa im Lockdown März 2020

Arthur, der als VolNet-Freiwilliger bei Intiwawa in Arequipa gewesen ist, hat den Beginn des Lockdowns in Perus zweitgrößter Stadt in einem Film festgehalten.




Zu dem Film schreibt er:


Diese Reportage drehte ich eigenständig im März über die Anfangszeit der Ausgangssperre in Arequipa, Perus zweitgrößter Stadt, als ich dort während meines weltwärts-Freiwilligendienstes den Lockdown zwei Wochen lang selbst erlebte.

Mit der Doku wollte ich auf die medizinische, aber vor allem soziale Corona-Krise in dem Land aufmerksam machen, denn die deutschen Medien berichteten über Peru hauptsächlich von festsitzenden Touristen.

7 Monate arbeitete ich in Arequipa in einer Bildungsorganisation, bis ich wegen der Corona-Krise an einem Rückholflug teilnehmen musste. Die Interviews drehte ich spontan entweder mit Bewohnern der Freiwilligenunterkunft oder Fremden auf der Straße auf dem Weg zum Einkaufen, die Aufnahmen in den Elendsvierteln filmte ich noch vor dem Lockdown.


Das strenge Ausgangsverbot ist zwar inzwischen aufgehoben und fast alle wirtschaftlichen Aktivitäten laufen wieder, die Situation ist aber immer noch kritisch (mehr dazu weiter unten).


Wenn ihr bedürftigen Familien in einem Armutsviertel von Arequipa Essen und Masken zukommen lassen wollt, spendet an dieses Projekt:

https://www.helloasso.com/associations/association-creche-d-arequipa/collectes/solidarite-perou-covid-19


Hier könnt ihr für meine Partnerorganisation Intiwawa spenden, die sich mit Bildungsprojekten für die Verbesserung der Lebenssituation in den Slums von Arequipa einsetzt:

https://www.intiwawa.org/support-us/donate/


Meine deutsche Entsendeorganisation:

https://volnet-ev.de/


Peru ist eines der Länder auf der Welt, die am härtesten von der COVID-19-Pandemie getroffen worden. Mit 90 Corona Toten pro 100.000 Einwohner hat das Land nach San Marino weltweit die höchste Sterblichkeitsdichte, auf der internationalen Fallstatistik ist es zurzeit mit ca. 700.000 Infizierten auf Platz 5.

Patienten, die vor den Türen der Krankenhäuser sterben, Sauerstoffflaschen auf dem Schwarzmarkt, soziale Unruhen und hungernde Familien auf der Suche nach Essen und Medikamenten, das ist die Realität, die sich vielerorts immer noch abspielt.


Die harten, früh getroffenen Maßnahmen der Regierung konnten das Virus nicht eindämmen und bedrohten die Existenz der Arbeiter im informellen Sektor (fast 70% der Bevölkerung). Diese sahen sich gezwungen, trotz der Ausgangssperre weiterhin zu arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können, im Angesicht der ständigen Gefahr, an dem Virus zu sterben oder für den Tod eines Familienmitglieds verantwortlich zu sein.


In weniger betroffenen Regionen Perus gab es schon frühere Lockerungen, doch in Arequipa dauerte die Ausgangssperre ganze 22 Wochen. Fast ein halbes Jahr lang durfte man das Haus hauptsächlich zum Einkaufen oder für systemrelevante Arbeit verlassen, sogar eine Ausgangsbestimmung nach Geschlecht wurde kurz nach dem Dreh der Doku beschlossen. Nach und nach gab es mehr Lockerungen, einige Berufe und Dienstleistungen wurden wieder zugelassen und man durfte das Haus zum spazieren oder joggen verlassen.

Der Bonus für die informellen Arbeiter wurde weiter gezahlt und Medien, Polizei und Ärzte appellierten öffentlichkeitswirksam an das Einhalten der Abstände, doch die Bemühungen der Regierung konnten die wirtschaftliche Not und die fehlende Bildung nicht kompensieren. Im Laufe der Quarantäne missachteten immer mehr Menschen trotz aller Repressionen die Ausgangsbestimmungen, aus Unkenntnis, Ignoranz, doch die meisten einfach weil sie arbeiten 𝐦𝐮𝐬𝐬𝐭𝐞𝐧.

Die Infektionszahlen stiegen drastisch und Ende Juli brach in Arequipa das Gesundheitssystem zusammen. Erkrankte, auch junge und gesunde Menschen, starben teils in den Fluren der Krankenhäuser, da sie nicht rechtzeitig oder entsprechend behandelt werden konnten.


Inzwischen sind die Neuinfektionen gesunken und am 1. September wurden Geschäfte, Restaurants und Malls aus wirtschaftlicher Notwendigkeit wieder geöffnet. Das öffentliche Leben scheint zur Normalität zurück zu kehren, und das, obwohl die medizinische, soziale und wirtschaftliche Situation in der Stadt weiterhin katastrophal ist. Im ganzen Land gelten zwar immer noch Abstandsregeln, Kontaktverbote und eine Ausgangssperre nachts und an Sonntagen, doch die Menschen stürmen nun nach monatelanger Quarantäne in Scharen auf die Straßen und in die Malls, oft dicht gedrängt. Das Virus existiert aber nach wie vor und ist nicht weniger tödlich geworden, ebenso kritisch bleibt die Situation der Krankenhäuser, es fehlt vor allem an ausgebildetem Personal und Ärzten. Viele befürchten jetzt eine zweite Welle, hoffentlich kommt es nicht so weit, denn einen zweiten Lockdown wird die Stadt kaum verkraften...

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